Vom Exposé zum Drehbuch

In diesem Beitrag sortiere ich für Sie die Begriffe Exposè, Storyboard und Drehbuch. 
Es war mir schon lange ein Anliegen, und weil ich als Texterin für Imagefilme immer wieder darauf angesprochen werde, bringe ich ein wenig Ordnung ins System.

Das Telefon rappelt.
Am anderen Ende meldet sich eine junge, forsche Stimme: „Sie schreiben doch Drehbücher, nich?“
In Gedanken gehe ich schnell mein Internetangebot durch; nein Drehbücher biete ich nicht an. Doch ich will den Anrufer nicht verprellen und antworte: „Ich erstelle Konzepte und schreibe Sprechertexte für Imagefilme.“

Kurze Pause.

„Wir brauchen einen Film, einen Imagefilm, und ich habe auf Ihrer Homepage gesehen, dass Sie so was machen. Dann bin ich ja richtig bei Ihnen.“

„Lassen Sie uns doch kurz darüber reden“, antworte ich. „Sie brauchen einen Imagefilm. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was der Film erzählen soll?“
„Wir hatten da an die Filme gedacht, die auf YouTube laufen, mit diesen tollen Effekten, die man neuerdings so sieht und er soll recht knackig werden.“

Es folgt ein sehr kurz gefasster Einblick in seine Ideenwelt.

„Das hört sich nach einem dynamischen, kurzweiligen Film an, zu dem ich Ihnen gern das Konzept ausarbeite“, sage ich schließlich.
„Benötigen Sie auch einen Sprecher oder eine Sprecherin? Sprechertexte für Unternehmensfilme sind meine Spezialität.“

„Ach, mein Chef spricht selber. Das macht er auch immer bei unseren Veranstaltungen, der kann das am besten. Ich schicke Ihnen unsere Prospekte, Flyer und die letzte Pressemeldung. Dann haben Sie alle Informationen, die Sie brauchen.“

„Gut, senden Sie mir alles was Sie haben. Ich schaue es mir an, dann haben wir beide eine Grundlage, das Weitere zu besprechen. Ganz sicher werde ich noch einige Fragen an Sie haben“

Genau so hatte ich es mir gedacht: Wir verfilmen ganz einfach unsere Prospekte. Und der Chef spricht selbst, ja ja …
Eine schöne Baustelle zeichnete sich vor meinem inneren Auge ab.

Das soll jetzt aber nicht meine Sorge sein. Bleiben wir bei Konzept und Text.


Grundlage für Ihren Imagefilm ist immer ein gründliches Briefing/die Information durch den Kunden. Daraus entwickeln Sie eine Idee, die Sie schließlich im Exposé, Treatment, Storyboard oder Drehbuch festhalten.

Exposé

In einem Exposé für einen Werbespot oder Imagefilm formulieren Sie frei Ihre Idee zum Film, ohne Einzelheiten festzulegen. Aber doch so „rund“, dass vor dem geistigen Auge des Lesers eine Welt entsteht.

Sie fassen Ihre Idee verständlich zusammen. Die Länge und Einzelheiten des Films sind hier noch unerheblich.

Das Exposé sollte nicht länger als eine halbe/dreiviertel Seite DIN A4 sein.

Und bitte nicht mit einem Exposé für ein Buch verwechseln, das der Verlag sehen will. Falls Sie ein Buch veröffentlichen wollen, gelten hier andere Regeln, die Sie mit dem jeweiligen Verlag abstimmen sollten.

Treatment

Das Treatment - Arbeitsgrundlage im aktuellen TV Bereich

Foto: © Pixabay

Ein Treatment ist tabellarisch aufgebaut und wird im aktuellen Filmbereich, aber auch für Imagefilme eingesetzt. Hier kommt es auch auf die Einzelheiten an, die im Film gezeigt und gesagt werden sollen. Daher kann ein Treatment mehrere Seiten oder nur zwei DIN-A4-Seiten lang sein.

Das Treatment ist wesentlich genauer als ein Exposé. Der Redakteur hält den Film auf Papier fest, den er vor seinem inneren Auge Szene für Szene ablaufen sieht.
Kameraeinstellungen, Bildinhalte, Zeitangaben und Text für die Szene werden darin festgehalten. Es werden Fachbegriffe für Kamera, Grafik und Schnitt verwendet.

Das Treatment ist später die Arbeitsgrundlage für das gesamte Team vor Ort und in der Postproduktion – von den Kameraaufnahmen bis zum Schnitt.

Mit geübten Sprachgefühl und dem Wissen um die Wirkung der Bilder legt der Redakteur grob die Länge jeder Szene fest. Dabei achtet er immer auf die Zeit, denn der Film wurde vorher mit den Kunden auf eine bestimmte Gesamtzeit festgelegt.

Storyboard

vom Expose zum Drehbuch_ Storyboard - das gezeichnete Treatment

Foto:© imageZebra – Fotolia.com

Kann sich der Kunde so gar nicht vorstellen, wie das Filmwerk später aussehen könnte, gibt es auch das Storyboard – das „gezeichntete Treatment“.

Obacht, hier legt sich das Kreativteam fest! Waren vorher noch Änderungen kurzfristig möglich, werden jetzt Entscheidungen getroffen.

Ein Grafiker ist von nun an mit an Bord. Ein Storyboard ist nicht ohne Grund dass teuerste Bilderbuch, denn es werden einzelne Bilder gezeichnet. Das braucht Zeit und kostet.

Zudem sollten Sie vorher wissen, wie detailreich Sie das Storyboard benötigen.

Reicht eine einfache Schwarz-Weiß-Zeichnung oder soll es lieber farbig sein? Genügen grobe „Übergänge“ der Szenen, um die Entwicklung der Geschichte darzustellen oder soll jedes Bild pro gesendete Sekunde mit allen Einzelheiten  in Farbe dargestellt werden?

Lassen Sie mich kurz rechnen: Bei 30 Bildern die Sekunde für einen 30-Sekunden-Werbespot sind das 900 Bilder, multipliziert mit dem Grafik-Stundensatz… Ja, das kann schon gut ins Geld gehen.

Keine Panik: Um eine Idee bei absoluter Fantasielosigkeit grob zu verdeutlichen reichen auch weniger Bilder; sagen wir Anfang und Ende je 1 Bild, für die Mitte 3 Bilder.

Drehbuch

Das Drehbuch ist die Königsklasse in der Darstellung der Idee für den Film mittels Worten.

Es macht auf mich den Eindruck eines guten technisch geschriebenen Romans. Technisch deswegen, weil hier Anweisungen eingearbeitet werden, die wichtig für die Kameraeinstellungen, Szenenaufbau und Darstellung der Charaktere sind.

Das Drehbuch folgt einem dramaturgischen Aufbau, enthält Ortsangaben und Dialoge.

Ist es leicht geschrieben, liest es sich wie ein guter Roman oder wie eine gute Geschichte, die sich ganz sicher mit Spaß Seite für Seite abdrehen lässt.

Apropos Seite: Es heißt, pro Seite eine Sendeminute; 90 Minuten Film bedeuten 90 Seiten Skript.
Wer ein Drehbuch schreibt, muss sich zudem streng an die historisch gewachsenen, typischen  Drehbuch-Vorgaben halten, wie Schriftart, Schriftgröße, Größe der Seitenränder, Gesamtschriftbild. Aber zum Glück gibt es heute dafür Software.

Wer Feuer gefangen hat, erfährt zum Drehbuch mehr im Internet und in einschlägiger Fachliteratur, die es inzwischen auch auf Deutsch gibt.

Ein Link zu Wikipedia verdeutlicht den optischen Aufbau eines Drehbuches.

Ich habe das Drehbuch zur Verdeutlichung und der Vollständigkeit halber dazu genommen, um die Unterschiede klar darzustellen.
Wie immer, gibt es auch hier viel mehr zu sagen. Ohne in die epische Breite gehen zu wollen, habe ich nur die wichtigsten Punkte zu jedem Ideendarsteller angeführt.

Wenn Sie in Zukunft mithilfe eines Drehbuchs Ihren Film realisieren wollen, können Sie sich nun vorher vergewissern, ob Sie das wirklich brauchen.

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