In 5 Schritten die Schreibblockade überwinden

oder: So entkommen Sie der Hölle des weißen Blattes


Jeder, der etwas schreiben will oder muss, kennt sie:  die Angst vor dem weißen Blatt bzw. vor dem unerbittlich blinkenden Cursor auf dem leeren Monitor.

Was soll ich schreiben? Ich sage Ihnen, Sie machen sich unnötig viele Gedanken. Denn im Grunde ist es ganz einfach.

Ich gebe Ihnen eine kurze Anleitung, zwei meiner wertvollsten Tipps und eine Buchempfehlung an die Hand, mit deren Hilfe Sie schnell in den Schreibfluss kommen. 

1. Klären Sie Ihre Absicht

a) Was ist der Zweck Ihres Textes?

b) An wen soll er sich richten?

c) Was wollen Sie erreichen? Was soll der Leser anschließend tun?

Während Sie über diese drei grundlegenden Fragen nachdenken, schreiben Sie alles auf, was Ihnen dazu in den Sinn kommt.

Lassen Sie einfach die Gedanken fließen. Vernachlässigen Sie Rechtschreibung und Grammatik, die richtige Reihenfolge, Stil, Wertung oder andere Korrekturen. Halten Sie nur alles fest und zwar so, dass Sie es am Ende bzw. am nächsten Tag noch wiedererkennen.

Recherchieren, sammeln, notieren
Bild: Firmbee auf Pixabay

2. Sammeln Sie Argumente und Ideen

Allein die Recherche bringt mich immer in Schreibschwung. Und weil die Ideen und Assoziationen sehr flüchtig sind, heißt es auch hier: schriftlich festhalten.

Notieren Sie alles, was für Ihren Text an Begriffen, externen Beiträgen, Büchern oder anderen Inhalten interessant und wichtig erscheint.

Aber beachten Sie: Nicht stumpf kopieren, sondern auch die Quellen nennen, wenn Sie einen guten Artikel gefunden haben, aus dem Sie zitieren wollen.

3. Sortieren und Reihenfolge festlegen

Haben Sie alle Fakten und Argumente zusammen, sortieren Sie diese.

Sollte sich inzwischen ein roter Faden für Sie herauskristallisiert haben, sortieren Sie gnadenlos alles Unwichtige aus. Jetzt können Sie auch schon eine Reihenfolge Ihrer Argumente festlegen. Orientieren Sie sich dabei an Ihren drei Basisfragen (s. Punkt 1) bzw. auch an der AIDA-Formel.

4. Losschreiben – innerhalb einer Frist, aber nicht unter Zeitdruck

Das mag sich paradox anhören, ist es aber nicht.

Setzten Sie sich eine Frist, in der Sie konzentriert schreiben. Sie brauchen ein selbst gestecktes Ziel, um fertig zu werden. Dann geben Sie nämlich unbewusst alles, um die Aufgabe zu erledigen. Weil der Kopf wieder  für andere Dinge frei sein möchte.

Anders verhält es sich mit Zeitdruck von außen. Wenn Ihnen zum Beispiel jemand sagt, dass Sie in zwei Stunden einen Pulitzer-reifen Artikel im Umfang von 6.000 Wörtern fertig haben sollen. Natürlich gibt es Menschen, die das schaffen. Die heimsen dann auch die Preise ein.

Schreiben Sie also los!

Mancher stellt sich den Wecker für 30 Minuten oder 1 Stunde.

In Ihrer selbst festgelegten Zeit formulieren Sie alles aus und bauen Ihre gesammelten Erkenntnisse ein.

Alles wieder ohne Wertung, Korrekturen usw.

Sie werden merken, plötzlich kommen Sie in den Fluss. Ein wunderbares Gefühl der Konzentration, Ideen und des Einfallsreichtums! Die Finger tanzen wie magisch über die Tastatur. Und Sie gehen mit!

Sollten Sie vor der gesetzten Zeit alle Gedanken aufs Papier gebracht haben, stoppen Sie. Auch die Uhr. Es hat keinen Sinn, sich stupide an Zeiten zu halten. Die Inspiration kommt und geht. Irgendwann sind auch die besten Neuronen leergefeuert.

Mach mal eine Pause
Bild: Gerhard G. auf Pixabay

Mein Tipp Nr.1: Machen Sie eine Pause

Vorher speichern Sie aber unbedingt Ihren Text ab.

Die Erfahrung zeigt, dass die Gedanken und Ideen, die im Flow kamen, nie wieder in dieser Qualität kommen. Wenn nun Ihr Rechner aus irgendeinem Grund den Dienst versagt, ist alles weg! Und Sie ärgern sich blau. Auch, weil Sie schon etliche Zeit investiert haben.

Habe ich alles schon erlebt … Aber Sie haben ja gespeichert.

Stehen Sie am besten vom Schreibtisch auf, gehen Sie aus dem Raum, machen Sie eine Runde um den Block oder durch den Park. Schon eine Viertelstunde reicht. Sie werden staunen, wie gut sich eine Pause auf Ihren Text auswirkt.

Der eine Satz, der eben noch komisch klang, wird plötzlich rund und gefällig. Das Argument, das eben noch im Eck unrund herumlungerte, formuliert sich mit einem Mal zu einer logischen Begründung. Neue Gedankengänge tauchen auf, denen Sie folgen. Und wieder heißt es: Alles schnell festhalten! Bis zur nächsten Pause, bis zum Ende Ihres Textes.

Und, voilà! Fast wie von Zauberhand ist der Text fertig.

5. Den Text säubern

Nun kommt die Feinarbeit: das Redigieren und Korrigieren. Das macht Spaß, denn den Löwenanteil haben Sie ja längst. Dennoch sollten Sie das sorgfältig tun und sich dafür Zeit nehmen.

Füllwörter, Worthülsen und umständliche Formulierungen können Sie nun gnadenlos streichen bzw. ersetzen.

Denken Sie auch an den Call to Action! Fordern Sie den Leser zu einer Handlung auf.

Mein Tipp Nr.2: Clustern

Wenn gar nichts geht, empfehle ich Ihnen die Clusterbildung nach Gabriele L. Rico „Garantiert Schreiben lernen“. Damit kommen Sie 100 Pro ins Schreiben. Es war eines der ersten Bücher, das ich mir zulegte, als ich mit Struktur zu schreiben begann. Ich muss gerade schmunzeln, denn Amazon merkt sich alles: das war vor 16 Jahren. Hier ist der Link zum Buch: Gabriele L. Rico: Garantiert Schreiben lernen

Gabriele L. Rico Garantiert Schreiben lernen

Wie funktioniert das Clustern?

Diese Methode ist eine assoziative Ideenverknüpfung, mit der Sie schnell Schreibhemmungen überwinden können.

Eine Übung dauert nicht lange. Ich hatte sie für mich auf maximal 10 Minuten angelegt. Manchmal reichten auch schon fünf Minuten. Probieren Sie einfach aus, wie lange Ihnen die Gedankenverbindungen „zufliegen“.

Übung

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier. Notieren Sie in der Mitte des Blattes ein Thema oder einen Begriff und kringeln Sie ihn ein.

Sie werden sofort merken, wie Ihr Gehirn zu arbeiten beginnt. Es werden verschiedene Assoziationen und Ideen auftauchen. Diese platzieren Sie mit Abstand um den ersten Begriff herum und kringeln diese ebenfalls ein. Dann fügen Sie Pfeile vom Ausgangsbegriff zur jeweiligen Assoziation.

Sie werden sehen: Zu jedem Wort wird Ihnen etwas einfallen. Halten Sie alles fest. Ohne Wertung, ohne Zensur, ohne Nachdenken.

Nach ein paar Minuten ist es vorbei. Schauen Sie sich nun Ihre Einfälle an. Daraus können Sie jetzt eine Geschichte bauen. Das geht! 100 Pro! Und es macht unglaublich viel Spaß!

Wenn Sie auf das Bild klicken, sehen Sie ein Beispiel und was ich daraus gemacht habe.

Beispiel

Schreibhemmungen mit Clustern überwinden

Fazit: Sie sehen, mit etwas Entspannung beim Schreiben leistet Ihr Hirn ganze Arbeit. Wenn Sie es laufen lassen, kommen die Ideen wie von selbst.

Wie sieht es jetzt mit Ihren Texten aus? Hat sich der Knoten schon gelöst?

Bearbeiten Sie Ihren Text mithilfe eines Gratis-Kurses "Die 5 ultimativen Schritte zum unwiderstehlichen Text". 

Und wenn Sie sagen: Nein, ich will Unterstützung vom Profi, dann vereinbaren Sie einen Gesprächstermin mit mir und wir besprechen gemeinsam Ihre Schreibziele.

Beitragsbild von Lukas Bieri auf Pixabay